Der dialektikbegriff Hegel's ist defizitär
(a).
Ich unterscheide zwei modelle der Hegel'schen dialektik, die Hegel
einerseits in der Phänomenologie des Geistes und andererseits in der
Logik der Wissenschaften formuliert hat. Die termini in den beiden
modellen sind:
1.modell(Phän.d.G): position - negation - vermittlung,
2.modell(Logik): sein - nichts - werden.
Die begriffe: vermittlung und werden, sind das
problem der Hegel'schen dialektik. Das problem ist nicht die
gegenüberstellung von position und negation einerseits und andererseits
von sein und nichts. Diese contrapositionen folgen dem bi-polaren denken
(b),
das der cantus firmus der traditionalen dialektikbegriffe ist. In raum
und zeit können die begriffe: vermittlung und werden, nur in einer
position(=affirmation)
(c)
gedacht werden und die begriffe: vermittlung und werden, setzen als
position(=affirmation) den prozess der dialektik von neuem in bewegung:
"position/sein - negation/nichts - vermittlung/werden". Hegel denkt
diesen prozess linear, der in kreisender form seinen abschluss im
absoluten wissen
(d) finden soll
(e).
Entweder ist dieses wissen, raum und zeit unterworfen, eine
position(=affirmation), oder dieses wissen ist verschwunden im tod, der
jede prädikation ausschliesst. Dieser widerspruch, der in raum und zeit
eine aporie des individuums als ich markiert, ist mit Hegel's
dialektikbegriff nicht begreifbar, weil Hegel, um sein argument
schlüssig zu machen, auf zwei argumentebenen argumentieren muss,
einerseits auf der argumentebene der logik, andererseits auf der
argumentebene der ontik. Das, was Hegel in seinem argument verfügbar
hat, das kann er allein auf der argumentebene der ontik erörtern, auf
der jeder widerspruch ein gegensatz ist, der, raum und zeit
unterworfen, den prozess der dialektik entweder im unendlichen
verschwinden lässt oder in einer setzung schliesst, die das individuum
als ich autonom setzt. Diese aporie, gelebt vom individuum als ich, ist
erklärend weder kausal entscheidbar, noch ist diese aporie mit der
dialektik Hegel's auflösbar, als problem aber ist die struktur dieser
existenziellen aporie mit der methode: trialektische modus, einerseits
darstellbar, andererseits mit einer entscheidung nicht geschlossen,
eine entscheidung, die als wahrheit, gültig für alle, die es betrifft,
absolut bindet, jeder für sich
(f). Mit der trialektik
(g)
der erkenntnis sind die strukturellen defizite der methoden: kausalität
und dialektik, nicht beseitigt, aber ihre wechselseitige bedingung ist
aufzeigbar
(h). Wenn das
individuum als ich seine relation zur dialektik setzt, dann ist die
trialektik als das ausgeschlossene dritte moment das bestimmende
moment, nicht anders, wenn das individuum als ich, dialektisch
argumentierend, seine relation zur kausalität gesetzt hat. Das
individuum als ich, in der perspektive der trialektik denkend, kann
dies nur dann leisten, wenn es seine relation zur kausalität im
horizont der dialektik setzt oder seine relation zur dialektik im
horizont der kausalität gesetzt hat. In analytischer absicht ist die
trennung der methoden: "kausalität, dialektik und trialektik",
einerseits zulässig, andererseits ist diese trennung in der
synthetisierenden reflexion des analytisch getrennten als nicht_möglich
ausgeschlossen
(i).
Die beiden dialektikmodelle Hegel's sind im
trialektischen modus, zusammengefasst in einem bild, graphisch so
darstellbar
(j):
bild: 009

.
In jeder position ist das individuum als ich
einsetzbar. Damit sind drei situationen möglich, die nicht identisch
fallen können:
bild: 009a

,
bild: 009b

,
bild: 009c

.
Für die relation: negation/nichts<==|==>vermittlung/werden,
oder die relation: position/sein<==|==>vermittlung/werden,
oder die relation: position/sein<==|==>negation/nichts,
ist in der funktion, das bestimmende moment für die relation zu sein,
das individuum als ich das ausgeschlossene dritte moment. Die drei
schemata zusammengefasst in einem bild:
bild: 009d

.
In seiner welt, intramundum, kann das individuum als
ich über die dinge der welt nur intramundum reden, auch dann, wenn sein
reden extramundum intendiert ist. Hegel kann nur dann rational
argumentieren, wenn er sein argument, fixiert in der relation:
position/sein<==|==>negation/nichts, auf der argumentebene der
logik geltend macht. Die logische negation statuiert, dass ein
daseiendes nicht_ist und über das nicht_daseiende kann nichts
prädiziert werden, in raum und zeit aber, auf der argumentebene der
ontik argumentierend, ist das, was die negation/das nichts sein soll,
nur mit der ontischen verneinung fassbar
(k).
Wenn das individuum als ich die momente: vermittlung oder werden, in
seiner relation setzt, dann ist für die relation:
individuum_als_ich<==|==>vermittlung/werden, entweder das moment:
negation/nichts, das bestimmende moment – die perspektive ist das
moment: position/sein,(graphik: 009a) – oder das bestimmende moment ist
das moment: position/sein, – die perspektive ist das moment:
negation/nichts,(graphik: 009b). Immer hat das individuum als ich das
moment: vermittlung/werden, in einer position(=affirmation) präsent,
entweder in der fassung der position(=affirmation) oder in der fassung
der negation(=verneinung), die als verneinung eine
position(=affirmation) ist. In diesem sinn kann die dialektik Hegel's
in raum und zeit keinen abschluss in der form eines absoluten wissens
haben, und das, was im prozess des lebens als ein abschluss erscheint,
raum und zeit unterliegend, das erscheint als eine entscheidung des
individuums als ich, das al gusto seine relation zum moment:
vermittlung/werden, setzt
(l).
Das individuum als ich, sein genosse eingeschlossen, entscheidet autonom, frei in raum und zeit
(m),
was es im prozess der dialektik als vermittlung oder was es als werden
setzen will. Diese setzung, im prozess als ein resultat erscheinend,
ist eine position(=affirmation), präsent in einem bestimmten ding der
welt, sei's als verneinung, sei's als affirmation. Diese
position(=affirmation) setzt den prozess der dialektik erneut in
bewegung und das, was der gegenstand der gesetzten momente: vermittlung
und werden, sein soll, das entscheidet das individuum als ich für sich
selbst, sich selbst an seine entscheidung absolut bindend, entweder im
horizont des moments: position/sein, oder im horizont des moments:
negation/nichts – tertium non datur.
Die entscheidung des individuums als ich kann im
dialektischen prozess für den genossen ein objekt sein. Das objekt
fasst der genosse, fixiert in der relation:
genosse<==|==>position/sein, als moment seiner setzung, autonom
sich entscheidend und sich selbst an das entschiedene sich absolut
bindend. Das objekt, die bestimmte vermittlung und das bestimmte
werden, identisch mit sich, sind für den genossen ein anderes als für
das individuum als ich. In dieser situation, eingebunden in die soziale
beziehung zwischen dem individuum als ich und seinem genossen, ist das
objekt: vermittlung/werden, in ein zwielicht gestellt, das seinen grund
nicht im objekt hat, sondern verortet ist im genossen und dem
individuum als ich, jeder für sich
(n).
graphik: 015
In raum und zeit ist damit ein gegensatz gesetzt,
der entweder als widerstreit ungelöst fortdauert oder als gegensatz in
einer neuen setzung aufgelöst wird, die einerseits eine auflösung des
widerstreits ist, andererseits aber als position wieder mit dem moment:
negation/nichts, konfrontiert ist, eine konfrontation, die den prozess
der dialektik in einer neuen vermittlung, die das werden ist,
schliesst, wieder fixiert in einer position(=afffirmation). Dieser
prozess ist in raum und zeit nicht abschliessbar, und das, was jenseits
der grenze sein soll, das ist dem individuum als ich, sein genosse
eingeschlossen, nicht zugänglich.
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(a)
die historia des begriffs: dialektik,
ist kein gegenstand des essays, folglich kann sie dahingestellt
bleiben. Andernorts habe Ich meine kritik der Hegel'schen dialektik
entfaltet(01), die Ich hier wiederhole, reduziert auf den logischen
kern.
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(01) //==>
INDEX/register: stichworte: "dialektik/Hegel und
dialektik_Hegel's".
(a)<==//
(b)
Richter,Ulrich: Schwarz - weiss. Das bi-polare denken und die methode des trialektischen modus.
signatur:
(061) fdm/26.061.
(b)<==//
(c)
der terminus:
position(=affirmation),(01) ist in der abgrenzung zum allgemein
gebräuchlichen terminus: position, ein fester terminus. Der terminus
umfasst auch die verneinung. Jede ontische verneinung ist, in abgrenung
zur logischen negation, für sich zugleich eine affirmation(02).
--------
(01) lies: position gleich affirmation in der klammer.
(02)
zur differenz: ontische verneinung/logische negation, andernorts en detail(*1).
-------
(*1) //==>
INDEX/register, stichwort: differenz:_negation/verneinung .
(c)<==//
(d)
das schlusskapitel der Phänomenologie
des Geistes.: Das absolute Wissen(VIII/(DD)). Hegel sagt: "Diese letzte
Gestalt des Geistes (...) ist das absolute Wissen",(01).
--------
(01) in: Werke in zwanzig Bänden. Frankfurt am Main: 1970,
Bd.3,p.582.
(d)<==//
(e)
der weg zum ziel, das absolute wissen,
den Hegel in seiner dialektik geht, ist ein verschlungener pfad mit
vielen wendungen(01). Die konstante auf dem weg Hegel's ist die idee
eines unablässigen fortschritts, der in seiner logik zu einem ziel
führt, das den weg absolut abschliesst(02). Hegel sagt: "Die
Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit – ein
Fortschritt, den wir in seiner Notwendigkeit zu erkennen haben",(03).
Dieser fortschritt zur vollendung ist das momentum des
geschichtsdenkens Hegel's, gefasst in der formel: einer - wenige - alle
(sind frei),(04). Prima vista ist Hegel's idee des fortschritts
euphorisierend, secunda vista aber, geurteilt in der realität des hier
und jetzt, erweist sich Hegel's projektion in die zukunft als ein
irrweg, weil der weg der geschichte in seiner absoluten vollendung die
katastrophe sein muss, die in raum und zeit nicht die freiheit bringt,
sondern die totale versklavung des individuums. Der tod des individuums
als ich ist das ende des geschichtlichen wegs(05).
--------
(01)
daraus haben die vulgärdialektiker nach
Marx eine kreisende spiralbewegung gemacht, die in seiner konstruktion
dem geraden linearen weg gleich zu setzen ist.
(02)
zur dialektik des wegs andernorts en detail(*1)
-------
(*1)
Richter,Ulrich: "Das Durchhauen eines Kohlhaupts ... "(Hegel).
Der absolute geist und die dialektik des wegs. B-fassung (2018). 032:dialektik_weg.
//==>
INDEX/register, stichwort: dialektik_des_weges.
(03)
Hegel,Georg Wilhelm Friedrich:
Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte. in: Werke in zwanzig
Bänden. a.a.O. Bd.12, p.31.
(04)
Hegel sagt: "der Endzweck der Welt
(...) ist das, worauf in der Weltgeschichte hingearbeitet worden, dem
alle Opfer auf dem weiten Altar der Erde und in dem Verlauf der langen
Zeit gebracht worden. (...) Dieser Endzweck ist das, was Gott mit der
Welt will, Gott aber ist das Vollkommenste und kann darum nichts als
sich selbst, seinen eigenen Willen wollen"(*1).
--------
(*1) a.a.O. Bd.12, p.32-33.
(05)
die dialektik des wegs kommt im tod des
individuums als ich zum stillstand(*1). Mit dem physischen tod des
individuums als ich ist seine welt erloschen, und was über seine welt
noch gesagt werden kann, das ist das sprechen seiner nachlebenden.
--------
(*1)
über die dialektik im stillstand kann nichts mehr prädiziert werden(+1).
-----
(+1)
zur formel: stillstand der dialektik, andernorts mehr im detail(§1).
------
(§1)
//==>
INDEX/register, stichwort: stillstand_der_dialektik.
(e)<==//
(f)
Richter,Ulrich: Die metaphysik der
methoden. Kausalität - dialektik - trialektik, reflektiert im horizont
der differenz: das ontologische argument oder das relationale
argument.(2024/2025). signatur:
044:methoden.
(f)<==//
(g)
der terminus: trialektik, ist ein neologismus. Zur historia andernorts en detail(01)
-----
(01)
(h) //==>
anm.: (f).
(h)<==//
(i)
//==>
anm.: (f);
Ich zitiere die einschlägigen graphiken und das bild aus: 044:methoden,
graphiken: 003-003c und das bild: 001(angepasst), hier in der laufenden
nummerierung:
graphik: 016

,
graphik: 016a

,
graphik: 016b

,
graphik: 016c

,
bild: 010

.
(i)<==//
(j)
die zusätze: das gerundete rechteck in
dickem strich und das zeichen: welt||NATUR, markieren, dass die
problematik der dialektikmodelle Hegel's vom individuum als ich, sein
genosse eingeschlossen, nur in der welt, intramundum, erörtert werden
können, jenseits der grenze aber, extramundum, ist nichts prädizierbar
oder alles ist, al gusto, intramundum formuliert.
(j)<==//
(k)
die differenz: ontische verneinung/logische negation, ist strikt zu beachten(01).
-----
(01)
//==>
INDEX/register,
stichworte: ontische_verneinung, logische_negation,
differenz:_negation/verneinung.
(k)<==//
(l)
es waren und sind die epigonen von Karl
Marx, die mit dem verweis auf Hegel ihre geschichtsdeutung in reale
politik umgesetzt haben(01).
------
(01)
Richter,Ulrich: Lenin liest Hegel - Hegel, gelesen von Lenin.
Die trialektik von geist und materie.(2024/2025).
046:Hegel_Lenin.
(l)<==//
(m)
die differenz: autonomie/freiheit, ist
strikt zu beachten. Das individuum als ich ist autonom, auch dann, wenn
es nicht frei ist im sinn der bürgerlichen freiheiten.
(m)<==//
(n)
das, was prima vista als simpel
erscheint, das ist in der realität komplex ausgestaltet. Diese
komplexität wird hier nicht diskutiert(01).
-----------
(01) andernort ist diese komplexität diskutiert(*1).
----
(*1) //==>
INDEX/register, stichwort: relation:_A<==>B.)
(n)<==//
================================================================
(*)
vorabdruck des arguments: 2.21.006,
aus meinem text: "Ist das (noch) kunst? - Das objekt, das ästhetische
urteil und der trialektische modus als methode".(2026). Der text ist am
neuen ort unverändert, die nummerierung der graphiken und der bilder
ist beibehalten worden. Die publikation des textes, signatur:
047:aesthetics, ist für die 124.ausgabe der hp geplant.
(*)<==//