das argument des monats
ausgabe: adm (47)04/26 // april/2026



Das defizit in der dialektik Hegel's. 
Die kritik der Hegel'schen dialektik im horizont der trialektik.(*)

    Der dialektikbegriff Hegel's ist defizitär(a). Ich unterscheide zwei modelle der Hegel'schen dialektik, die Hegel einerseits in der Phänomenologie des Geistes und andererseits in der Logik der Wissenschaften formuliert hat. Die termini in den beiden modellen sind:

    1.modell(Phän.d.G): position - negation - vermittlung,
    2.modell(Logik):      sein - nichts - werden.

    Die begriffe: vermittlung und werden, sind das problem der Hegel'schen dialektik. Das problem ist nicht die gegenüberstellung von position und negation einerseits und andererseits von sein und nichts. Diese contrapositionen folgen dem bi-polaren denken(b), das der cantus firmus der traditionalen dialektikbegriffe ist. In raum und zeit können die begriffe: vermittlung und werden, nur in einer position(=affirmation)(c) gedacht werden und die begriffe: vermittlung und werden, setzen als position(=affirmation) den prozess der dialektik von neuem in bewegung: "position/sein - negation/nichts - vermittlung/werden". Hegel denkt diesen prozess linear, der in kreisender form seinen abschluss im absoluten wissen(d) finden soll(e). Entweder ist dieses wissen, raum und zeit unterworfen, eine position(=affirmation), oder dieses wissen ist verschwunden im tod, der jede prädikation ausschliesst. Dieser widerspruch, der in raum und zeit eine aporie des individuums als ich markiert, ist mit Hegel's dialektikbegriff nicht begreifbar, weil Hegel, um sein argument schlüssig zu machen, auf zwei argumentebenen argumentieren muss, einerseits auf der argumentebene der logik, andererseits auf der argumentebene der ontik. Das, was Hegel in seinem argument verfügbar hat, das kann er allein auf der argumentebene der ontik erörtern, auf der jeder widerspruch ein gegensatz ist, der, raum und zeit unterworfen, den prozess der dialektik entweder im unendlichen verschwinden lässt oder in einer setzung schliesst, die das individuum als ich autonom setzt. Diese aporie, gelebt vom individuum als ich, ist erklärend weder kausal entscheidbar, noch ist diese aporie mit der dialektik Hegel's auflösbar, als problem aber ist die struktur dieser existenziellen aporie mit der methode: trialektische modus, einerseits darstellbar, andererseits mit einer entscheidung nicht geschlossen, eine entscheidung, die als wahrheit, gültig für alle, die es betrifft, absolut bindet, jeder für sich(f). Mit der trialektik(g) der erkenntnis sind die strukturellen defizite der methoden: kausalität und dialektik, nicht beseitigt, aber ihre wechselseitige bedingung ist aufzeigbar(h). Wenn das individuum als ich seine relation zur dialektik setzt, dann ist die trialektik als das ausgeschlossene dritte moment das bestimmende moment, nicht anders, wenn das individuum als ich, dialektisch argumentierend, seine relation zur kausalität gesetzt hat. Das individuum als ich, in der perspektive der trialektik denkend, kann dies nur dann leisten, wenn es seine relation zur kausalität im horizont der dialektik setzt oder seine relation zur dialektik im horizont der kausalität gesetzt hat. In analytischer absicht ist die trennung der methoden: "kausalität, dialektik und trialektik", einerseits zulässig, andererseits ist diese trennung in der synthetisierenden reflexion des analytisch getrennten als nicht_möglich ausgeschlossen(i).

    Die beiden dialektikmodelle Hegel's sind im trialektischen modus, zusammengefasst in einem bild, graphisch so darstellbar(j):
bild: 009

                  .

    In jeder position ist das individuum als ich einsetzbar. Damit sind drei situationen möglich, die nicht identisch fallen können:
bild: 009a

              ,

bild: 009b

               ,

bild: 009c

              .

Für die relation:  negation/nichts<==|==>vermittlung/werden,
oder die relation: position/sein<==|==>vermittlung/werden,
oder die relation: position/sein<==|==>negation/nichts,
ist in der funktion, das bestimmende moment für die relation zu sein, das individuum als ich das ausgeschlossene dritte moment. Die drei schemata zusammengefasst in einem bild:
bild: 009d

          .  

    In seiner welt, intramundum, kann das individuum als ich über die dinge der welt nur intramundum reden, auch dann, wenn sein reden extramundum intendiert ist. Hegel kann nur dann rational argumentieren, wenn er sein argument, fixiert in der relation: position/sein<==|==>negation/nichts, auf der argumentebene der logik geltend macht. Die logische negation statuiert, dass ein daseiendes nicht_ist und über das nicht_daseiende kann nichts prädiziert werden, in raum und zeit aber, auf der argumentebene der ontik argumentierend, ist das, was die negation/das nichts sein soll, nur mit der ontischen verneinung fassbar(k). Wenn das individuum als ich die momente: vermittlung oder werden, in seiner relation setzt, dann ist für die relation: individuum_als_ich<==|==>vermittlung/werden, entweder das moment: negation/nichts, das bestimmende moment – die perspektive ist das moment: position/sein,(graphik: 009a) – oder das bestimmende moment ist das moment: position/sein, – die perspektive ist das moment: negation/nichts,(graphik: 009b). Immer hat das individuum als ich das moment: vermittlung/werden, in einer position(=affirmation) präsent, entweder in der fassung der position(=affirmation) oder in der fassung der negation(=verneinung), die als verneinung eine position(=affirmation) ist. In diesem sinn kann die dialektik Hegel's in raum und zeit keinen abschluss in der form eines absoluten wissens haben, und das, was im prozess des lebens als ein abschluss erscheint, raum und zeit unterliegend, das erscheint als eine entscheidung des individuums als ich, das al gusto seine relation zum moment: vermittlung/werden, setzt(l).

    Das individuum als ich, sein genosse eingeschlossen, entscheidet autonom, frei in raum und zeit(m), was es im prozess der dialektik als vermittlung oder was es als werden setzen will. Diese setzung, im prozess als ein resultat erscheinend, ist eine position(=affirmation), präsent in einem bestimmten ding der welt, sei's als verneinung, sei's als affirmation. Diese position(=affirmation) setzt den prozess der dialektik erneut in bewegung und das, was der gegenstand der gesetzten momente: vermittlung und werden, sein soll, das entscheidet das individuum als ich für sich selbst, sich selbst an seine entscheidung absolut bindend, entweder im horizont des moments: position/sein, oder im horizont des moments: negation/nichts – tertium non datur.

    Die entscheidung des individuums als ich kann im dialektischen prozess für den genossen ein objekt sein. Das objekt fasst der genosse, fixiert in der relation: genosse<==|==>position/sein, als moment seiner setzung, autonom sich entscheidend und sich selbst an das entschiedene sich absolut bindend. Das objekt, die bestimmte vermittlung und das bestimmte werden, identisch mit sich, sind für den genossen ein anderes als für das individuum als ich. In dieser situation, eingebunden in die soziale beziehung zwischen dem individuum als ich und seinem genossen, ist das objekt: vermittlung/werden, in ein zwielicht gestellt, das seinen grund nicht im objekt hat, sondern verortet ist im genossen und dem individuum als ich, jeder für sich(n).
graphik: 015

                  

    In raum und zeit ist damit ein gegensatz gesetzt, der entweder als widerstreit ungelöst fortdauert oder als gegensatz in einer neuen setzung aufgelöst wird, die einerseits eine auflösung des widerstreits ist, andererseits aber als position wieder mit dem moment: negation/nichts, konfrontiert ist, eine konfrontation, die den prozess der dialektik in einer neuen vermittlung, die das werden ist, schliesst, wieder fixiert in einer position(=afffirmation). Dieser prozess ist in raum und zeit nicht abschliessbar, und das, was jenseits der grenze sein soll, das ist dem individuum als ich, sein genosse eingeschlossen, nicht zugänglich.
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(a)
die historia des begriffs: dialektik, ist kein gegenstand des essays, folglich kann sie dahingestellt bleiben. Andernorts habe Ich meine kritik der Hegel'schen dialektik entfaltet(01), die Ich hier wiederhole, reduziert auf den logischen kern.
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(01) //==>INDEX/register: stichworte: "dialektik/Hegel und  dialektik_Hegel's".          (a)<==// 
(b)
Richter,Ulrich: Schwarz - weiss. Das bi-polare denken und die methode des trialektischen modus.
signatur: (061) fdm/26.061.          (b)<==// 
(c)
der terminus: position(=affirmation),(01) ist in der abgrenzung zum allgemein gebräuchlichen terminus: position, ein fester terminus. Der terminus umfasst auch die verneinung. Jede ontische verneinung ist, in abgrenung zur logischen negation, für sich zugleich eine affirmation(02). 
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(01)    lies: position gleich affirmation in der klammer.
(02)
zur differenz: ontische verneinung/logische negation, andernorts en detail(*1).
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(*1) //==> INDEX/register, stichwort: differenz:_negation/verneinung .          (c)<==// 
(d)
das schlusskapitel der Phänomenologie des Geistes.: Das absolute Wissen(VIII/(DD)). Hegel sagt: "Diese letzte Gestalt des Geistes (...) ist das absolute Wissen",(01).
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(01)   in: Werke in zwanzig Bänden. Frankfurt am Main: 1970, Bd.3,p.582.           (d)<==//   
(e)
der weg zum ziel, das absolute wissen, den Hegel in seiner dialektik geht, ist ein verschlungener pfad mit vielen wendungen(01). Die konstante auf dem weg Hegel's ist die idee eines unablässigen fortschritts, der in seiner logik zu einem ziel führt, das den weg absolut abschliesst(02). Hegel sagt: "Die Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit – ein Fortschritt, den wir in seiner Notwendigkeit zu erkennen haben",(03). Dieser fortschritt zur vollendung ist das momentum des geschichtsdenkens Hegel's, gefasst in der formel: einer - wenige - alle (sind frei),(04). Prima vista ist Hegel's idee des fortschritts euphorisierend, secunda vista aber, geurteilt in der realität des hier und jetzt, erweist sich Hegel's projektion in die zukunft als ein irrweg, weil der weg der geschichte in seiner absoluten vollendung die katastrophe sein muss, die in raum und zeit nicht die freiheit bringt, sondern die totale versklavung des individuums. Der tod des individuums als ich ist das ende des geschichtlichen wegs(05).
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(01)
daraus haben die vulgärdialektiker nach Marx eine kreisende spiralbewegung gemacht, die in seiner konstruktion dem geraden linearen weg gleich zu setzen ist. 
(02)
zur dialektik des wegs andernorts en detail(*1)
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(*1)
Richter,Ulrich: "Das Durchhauen eines Kohlhaupts ... "(Hegel).
Der absolute geist und die dialektik des wegs. B-fassung (2018). 032:dialektik_weg.  
//==> INDEX/register, stichwort: dialektik_des_weges.
(03) 
Hegel,Georg Wilhelm Friedrich: Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte. in: Werke in zwanzig Bänden. a.a.O. Bd.12, p.31.
(04)
Hegel sagt: "der Endzweck der Welt (...) ist das, worauf in der Weltgeschichte hingearbeitet worden, dem alle Opfer auf dem weiten Altar der Erde und in dem Verlauf der langen Zeit gebracht worden. (...) Dieser Endzweck ist das, was Gott mit der Welt will, Gott aber ist das Vollkommenste und kann darum nichts als sich selbst, seinen eigenen Willen wollen"(*1).
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(*1)    a.a.O. Bd.12, p.32-33.
(05)
die dialektik des wegs kommt im tod des individuums als ich zum stillstand(*1). Mit dem physischen tod des individuums als ich ist seine welt erloschen, und was über seine welt noch gesagt werden kann, das ist das sprechen seiner nachlebenden.
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(*1)
über die dialektik im stillstand kann nichts mehr prädiziert werden(+1).
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(+1)
zur formel: stillstand der dialektik, andernorts mehr im detail(§1).
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(§1)   //==> INDEX/register, stichwort: stillstand_der_dialektik.           (e)<==// 
(f)
Richter,Ulrich: Die metaphysik der methoden. Kausalität - dialektik - trialektik, reflektiert im horizont der differenz: das ontologische argument oder das relationale argument.(2024/2025). signatur: 044:methoden.          (f)<==// 
(g)
der terminus: trialektik, ist ein neologismus. Zur historia andernorts en detail(01)
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(01)
//==> INDEX/register, stichwort: trialektik und Jorn,Asger(*).
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(*1)   korrekt: Asger Jorns.          (g)<==// 
(h)     //==> anm.: (f).           (h)<==// 
(i)
//==> anm.: (f); Ich zitiere die einschlägigen graphiken und das bild aus: 044:methoden, graphiken: 003-003c und das bild: 001(angepasst), hier in der laufenden nummerierung:
graphik: 016

                  ,
graphik: 016a

              ,     


graphik: 016b

                    ,

graphik: 016c

                 ,

bild: 010

       .           (i)<==// 

(j)
die zusätze: das gerundete rechteck in dickem strich und das zeichen: welt||NATUR, markieren, dass die problematik der dialektikmodelle Hegel's vom individuum als ich, sein genosse eingeschlossen, nur in der welt, intramundum, erörtert werden können, jenseits der grenze aber, extramundum, ist nichts prädizierbar oder alles ist, al gusto, intramundum formuliert.          (j)<==//   
(k)
die differenz: ontische verneinung/logische negation, ist strikt zu beachten(01).
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(01)
//==> INDEX/register, stichworte: ontische_verneinung, logische_negation, differenz:_negation/verneinung.          (k)<==// 
(l)
es waren und sind die epigonen von Karl Marx, die mit dem verweis auf Hegel ihre geschichtsdeutung in reale politik umgesetzt haben(01).
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(01)
Richter,Ulrich: Lenin liest Hegel - Hegel, gelesen von Lenin.
Die trialektik von geist und materie.(2024/2025). 046:Hegel_Lenin.          (l)<==// 
(m)
die differenz: autonomie/freiheit, ist strikt zu beachten. Das individuum als ich ist autonom, auch dann, wenn es nicht frei ist im sinn der bürgerlichen freiheiten.          (m)<==// 
(n)
das, was prima vista als simpel erscheint, das ist in der realität komplex ausgestaltet. Diese komplexität wird hier nicht diskutiert(01).
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(01) andernort ist diese komplexität diskutiert(*1).
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(*1) //==> INDEX/register, stichwort: relation:_A<==>B.)          (n)<==// 
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vorabdruck des arguments: 2.21.006, aus meinem text: "Ist das (noch) kunst? - Das objekt, das ästhetische urteil und der trialektische modus als methode".(2026). Der text ist am neuen ort unverändert, die nummerierung der graphiken und der bilder ist beibehalten worden. Die publikation des textes, signatur: 047:aesthetics, ist für die 124.ausgabe der hp geplant.          (*)<==//   
finis

eingestellt: 26.04.01.

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