Die postheroische zeit.
Der präfix: post, in seiner logik.
Ein signifikantes merkmal der gegenwart ist der inflationäre gebrauch des präfix: post,
(a).
Das verfahren, einen neuen terminus zu kreieren, ist simpel, pars pro
toto, man nehme den terminus: heroisch, setze den präfix: post, davor
und schon ist der terminus: postheroisch,
(b) geschaffen, bereit, mit jedem denkbaren sinn al gusto beladen zu werden
(c).
Das problem dieses verfahrens ist, dass der präfix:
post, zweideutig in seiner bedeutung ist; denn das, was das post(=nach)
ist, das hat in raum und zeit immer auch ein: davor(=ante). Aus dem
wort: heroisch, ist kein kriterium ableitbar, mit dem festlegt werden
kann, was im neologismus: postheroisch, der akzent sein könnte oder
sein sollte, der, präformiert im präfix: post, entweder das "ante" oder
das "post" fixiert. Insofern verschleiert der terminus mehr als er
aufzuklären verspricht.
Mit dem terminus: postheroisch, kann die
doppeldeutigkeit des begriffs und der phänomene: heroisch, erläutert
werden. In der traditionalen geschichtsschreibung ist es üblich, den
einander sich ablösenden epochen, eingetragen auf der zeitschiene, das
etikett: heroisches zeitalter, anzukleben
(d).
Mit der platzierung einer epoche auf der zeitschiene, etikettiert als
heroisch, ist eindeutig festgelegt, dass jedes "heroische" zeitalter
ein davor und ein danach haben muss, und folglich die beurteilung jeder
bestimmten epoche, heroisch oder nicht, ante oder post, eine frage der
perspektive ist, mit der die subjekte die dokumente der historia
beurteilen. Insofern ist jede information, die mit dem terminus: post,
vermittelt wird, relativ zu jeder anderen information und folglich ist
die mit dem terminus: post, angedeutete klärung des sachverhalts de
facto die vernebelung einer situation, gleichviel aus welchem interesse
und in wessen interesse.
Im historischem diskurs kann es zweckmässig sein,
einzelne epochen miteinander zu vergleichen und den verlauf der
geistesströme nachzuzeichnen. In diesen beurteilungen der epochen ist
der maasstab der zeiterfahrung: vergangenheit - gegenwart - zukunft,
ein plausibles ordnungselement, aber, jedes argument legt eine
perspektive fest, mit der die historischen sachverhalte, sedimentiert
in den dokumenten der historia, eingeordnet werden und geordnet sind.
In dieser blickweise kann die qualifikation einer epoche als
"postheroisch" aufklärend wirken, wenn beachtet ist, dass die
einordnung der postheroischen epoche relativ ist zu jeder anderen
epoche. Mithin ist der aufklärende gehalt des präfix: post, als gering
einzuschätzen, was den verdacht begründet, dass der terminus:
postheroisch, nur ein versatzstück ist in den grabenkämpfen der
ideologen.
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(a)
das pendant zum präfix: post, ist der
präfix: neo. Es kann eine lange liste der so geschaffenen neologismen
aufgestellt werden, einschliesslich der mit diesen termini verknüpften
geschichten - amüsant oder auch nicht.
(a)<==//
(b)
in einem artikel im SPIEGEL über die
sogenannten starken männer der gegenwärtigen politik, die bekannten
herren: "Trump, Putin und Xi", habe Ich den terminus: postheroisch,
aufgelesen(01)(02). Der autor schreibt: "Wir lebten in postheorischen
Zeiten",(03) "Der postheroische Politikstil ..."(04), "Von wegen
postheroisches Management - die Zampanos sind zurück",(05).
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(01)
Tobias Becker: Im Klub der starken Männer. in: DER SPIEGEL, nr.9, 22.2.2025, p.94-98.
(02)
zum problem des präfix: post, ist ein
umfangreicher essay publiziert worden, der die "Postismen"(*1),
geläufige ideologien seit 1945, kritisch beleuchtet. Die gegenstände
dieser ideologien sind kein gegenstand meines fragments.
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(*1) Dieter Thomä: POST- Nachruf auf eine Vorsilbe. Berlin: 2025. p.14.
(03) Tobias Becker, a.a.O. p.95.
(04) a.a.O. p.96.
(05) a.a.O. p.97
(b)<==//
(c)
demonstrierbar ist dieses verfahren
auch mit den termini: neoliberal/neoliberalismus. Der liberalismus im
18./19.jahrhundert hat mit dem neoliberalismus des 20./21.jahrhunderts
nur eine kleine schnittmenge, die darauf beschränkt ist, eine groosse
idee(=freiheit) zu missbrauchen, gebraucht von den mächtigen, die die
idee der freiheit für sich monopolisieren, um die störende freiheit der
anderen zu diskreditieren.
(c)<==//
(d)
zweifel sind geboten, ob die
vergangenen zeitalter, klassifiziert von den historikern, jemals
"heroisch" gewesen waren; denn die sogenannten helden sind, wenn sie
endlich tot waren, nur noch spielsteine für die mächtigen, die
versuchen, mit den toten helden die eigenen interessen gegen andere
interessen durchzusetzen.
(d)<==//
finis