Das fragment des monats
ausgabe (064)/64//2026/ fdm/26.064/ april/2026


Die postheroische zeit.
Der präfix: post, in seiner logik.

    Ein signifikantes merkmal der gegenwart ist der inflationäre gebrauch des präfix: post,(a). Das verfahren, einen neuen terminus zu kreieren, ist simpel, pars pro toto, man nehme den terminus: heroisch, setze den präfix: post, davor und schon ist der terminus: postheroisch,(b) geschaffen, bereit, mit jedem denkbaren sinn al gusto beladen zu werden(c).

    Das problem dieses verfahrens ist, dass der präfix: post, zweideutig in seiner bedeutung ist; denn das, was das post(=nach) ist, das hat in raum und zeit immer auch ein: davor(=ante). Aus dem wort: heroisch, ist kein kriterium ableitbar, mit dem festlegt werden kann, was im neologismus: postheroisch, der akzent sein könnte oder sein sollte, der, präformiert im präfix: post, entweder das "ante" oder das "post" fixiert. Insofern verschleiert der terminus mehr als er aufzuklären verspricht.

    Mit dem terminus: postheroisch, kann die doppeldeutigkeit des begriffs und der phänomene: heroisch, erläutert werden. In der traditionalen geschichtsschreibung ist es üblich, den einander sich ablösenden epochen, eingetragen auf der zeitschiene, das etikett: heroisches zeitalter, anzukleben(d). Mit der platzierung einer epoche auf der zeitschiene, etikettiert als heroisch, ist eindeutig festgelegt, dass jedes "heroische" zeitalter ein davor und ein danach haben muss, und folglich die beurteilung jeder bestimmten epoche, heroisch oder nicht, ante oder post, eine frage der perspektive ist, mit der die subjekte die dokumente der historia beurteilen. Insofern ist jede information, die mit dem terminus: post, vermittelt wird, relativ zu jeder anderen information und folglich ist die mit dem terminus: post, angedeutete klärung des sachverhalts de facto die vernebelung einer situation, gleichviel aus welchem interesse und in wessen interesse.
    Im historischem diskurs kann es zweckmässig sein, einzelne epochen miteinander zu vergleichen und den verlauf der geistesströme nachzuzeichnen. In diesen beurteilungen der epochen ist der maasstab der zeiterfahrung: vergangenheit - gegenwart - zukunft, ein plausibles ordnungselement, aber, jedes argument legt eine perspektive fest, mit der die historischen sachverhalte, sedimentiert in den dokumenten der historia, eingeordnet werden und geordnet sind. In dieser blickweise kann die qualifikation einer epoche als "postheroisch" aufklärend wirken, wenn beachtet ist, dass die einordnung der postheroischen epoche relativ ist zu jeder anderen epoche. Mithin ist der aufklärende gehalt des präfix: post, als gering einzuschätzen, was den verdacht begründet, dass der terminus: postheroisch, nur ein versatzstück ist in den grabenkämpfen der ideologen.
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(a)
das pendant zum präfix: post, ist der präfix: neo. Es kann eine lange liste der so geschaffenen neologismen aufgestellt werden, einschliesslich der mit diesen termini verknüpften geschichten - amüsant oder auch nicht.      (a)<==// 
(b)
in einem artikel im SPIEGEL über die sogenannten starken männer der gegenwärtigen politik, die bekannten herren: "Trump, Putin und Xi", habe Ich den terminus: postheroisch, aufgelesen(01)(02). Der autor schreibt: "Wir lebten in postheorischen Zeiten",(03) "Der postheroische Politikstil ..."(04), "Von wegen postheroisches Management - die Zampanos sind zurück",(05).
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(01)
Tobias Becker: Im Klub der starken Männer. in: DER SPIEGEL, nr.9, 22.2.2025, p.94-98.
(02)
zum problem des präfix: post, ist ein umfangreicher essay publiziert worden, der die "Postismen"(*1), geläufige ideologien seit 1945, kritisch beleuchtet. Die gegenstände dieser ideologien sind kein gegenstand meines fragments.
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(*1)   Dieter Thomä: POST- Nachruf auf eine Vorsilbe. Berlin: 2025. p.14.
(03)   Tobias Becker, a.a.O. p.95.
(04)   a.a.O. p.96.
(05)   a.a.O. p.97     (b)<==// 
(c)
demonstrierbar ist dieses verfahren auch mit den termini: neoliberal/neoliberalismus. Der liberalismus im 18./19.jahrhundert hat mit dem neoliberalismus des 20./21.jahrhunderts nur eine kleine schnittmenge, die darauf beschränkt ist, eine groosse idee(=freiheit) zu missbrauchen, gebraucht von den mächtigen, die die idee der freiheit für sich monopolisieren, um die störende freiheit der anderen zu diskreditieren.     (c)<==//  
(d)
zweifel sind geboten, ob die vergangenen zeitalter, klassifiziert von den historikern, jemals "heroisch" gewesen waren; denn die sogenannten helden sind, wenn sie endlich tot waren, nur noch spielsteine für die mächtigen, die versuchen, mit den toten helden die eigenen interessen gegen andere interessen durchzusetzen.      (d)<==//     
finis

eingestellt: 26.04.01.

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